Was ist der Erwartungswert?
Der Erwartungswert – auch als EV (Expected Value) bezeichnet – ist das fundamentalste Konzept im professionellen Wetten und bildet die mathematische Grundlage für jede rationale Wettentscheidung. Er berechnet sich als: EV = (Wahrscheinlichkeit des Gewinns × möglicher Gewinn) – (Wahrscheinlichkeit des Verlusts × Einsatz). Ein positiver EV (+EV) bedeutet, dass eine Wette langfristig profitabel ist; ein negativer EV (-EV) bedeutet Verlust über die Zeit.
Das Konzept ist einfach zu verstehen, aber schwer konsequent anzuwenden: Man muss eine genauere Einschätzung der wahren Wahrscheinlichkeit haben als der Buchmacher, um einen positiven EV zu erzielen. Wenn ein Buchmacher Bayern Münchens Siegchance gegen Hoffenheim mit einer Quote von 1,50 (implizite Wahrscheinlichkeit: 66,7 %) bewertet, man selbst aber glaubt, Bayern habe eine 75%ige Gewinnchance, dann ist der EV positiv und die Wette lohnt sich langfristig. Über Tausende von Wetten spiegelt der realisierte Profit genau den durchschnittlichen EV wider.
In Deutschland ist das Verständnis des Erwartungswertes der Schlüssel zu nachhaltigem Wetten. Alle Wettanbieter haben durch ihre Marge (Vig oder Overround) einen negativen EV auf jede angebotene Quote eingebaut. Profitables Wetten bedeutet, diese Marge zu überwinden und systematisch Situationen zu finden, in denen die eigene Wahrscheinlichkeitsschätzung besser ist als die des Buchmachers.
Beispiel
Eine Wette hat laut eigenem Modell einen EV von +5 %. Das bedeutet, dass pro 100 Euro Einsatz langfristig ein durchschnittlicher Gewinn von 5 Euro erwartet werden kann – vorausgesetzt, das Modell ist korrekt und die Stichprobengröße ist ausreichend groß.