Was ist das Kelly-Kriterium?
Das Kelly-Kriterium ist eine mathematische Formel, die den optimalen Anteil des Bankrolls berechnet, der auf eine Wette mit positivem Erwartungswert gesetzt werden sollte. Die Formel lautet: f = (bp − q) / b, wobei f der Anteil des Bankrolls, b der Nettoquotient (Quote minus 1), p die geschätzte Gewinnwahrscheinlichkeit und q = 1 − p die Verlustwahrscheinlichkeit ist. Das Ergebnis ist jener Bruchteil des verfügbaren Kapitals, der langfristig das Bankroll-Wachstum maximiert.
Der entscheidende Vorteil des Kelly-Kriteriums liegt in seiner mathematischen Eleganz: Es berücksichtigt sowohl den Edge (Vorteil) des Wetters als auch das Quotenniveau. Bei einer Wette mit niedrigem Edge und hoher Quote empfiehlt Kelly einen kleineren Einsatz als bei einer Wette mit hohem Edge zu niedrigeren Quoten. In der Praxis verwenden viele Profis das „halbe Kelly" (Half-Kelly), um die Volatilität zu reduzieren und Phasen mit mehreren Verlusten besser zu überstehen.
Wichtig ist: Das Kelly-Kriterium funktioniert nur dann optimal, wenn die eigene Wahrscheinlichkeitsschätzung korrekt ist. Überschätzt man den eigenen Edge, droht Übersetzen und eine drastische Reduzierung des Bankrolls. Daher gilt konservatives Vorgehen als praxistauglicher Ansatz – besonders für Einsteiger in die systematische Wettstrategie.
Beispiel
Ein Wetter schätzt, dass Bayern München ein Auswärtsspiel mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit gewinnt. Der Buchmacher bietet Quote 2,00 (= Nettoquotient 1,00) an. Das Kelly-Kriterium ergibt: (1,00 × 0,60 − 0,40) / 1,00 = 0,20 – also 20 % des Bankrolls als empfohlenen Einsatz.