Wett-Grundlagen

Kaufen (Buy)

Kaufen beim Spread-Betting: Umfassender Leitfaden mit Definitionen, Beispielen, Risikomanagement und Strategien für erfolgreiche Buy-Positionen.

Was bedeutet "Kaufen" beim Spread-Betting wirklich?

Beim Spread-Betting ist das Kaufen (Buy) eine Wette darauf, dass der Preis oder das Ergebnis eines Marktes höher ausfallen wird als der vom Anbieter festgelegte Kaufspreis (Offer-Preis). Im Gegensatz zum traditionellen Aktienkauf erwerben Sie dabei nicht den Basiswert selbst, sondern spekulieren nur auf die Preisbewegung. Der Gewinn oder Verlust hängt davon ab, wie weit sich das tatsächliche Ergebnis vom Kaufspreis entfernt – und wird proportional zum Einsatz pro Punkt berechnet.

Wenn Sie beispielsweise die Gesamttore eines Fußballspiels bei einem Spread von 2,5–3,5 kaufen und Sie setzen 10 Euro pro Tor, dann gewinnen Sie 10 Euro für jeden Punkt über 3,5. Endet das Spiel mit 5 Toren, beträgt Ihr Gewinn 15 Euro (5 – 3,5 = 1,5 × 10 Euro). Endet es mit 2 Toren, verlieren Sie 15 Euro.

Das Konzept des Kaufens beim Spread-Betting ist fundamental für das Verständnis dieser Handelsform. Es ermöglicht Ihnen, von Marktbewegungen zu profitieren, ohne das zugrunde liegende Asset zu besitzen – eine Innovation, die 1974 von Stuart Wheeler mit der Gründung von IG Index revolutioniert wurde.

Die grundlegende Definition

Das Kaufen beim Spread-Betting ist ein spekulativer Akt, bei dem Sie eine Position eröffnen, die Gewinn erzielt, wenn das Endergebnis über dem Kaufspreis liegt. Der Anbieter (Broker oder Wettanbieter) stellt zwei Preise zur Verfügung:

  • Kaufpreis (Offer): Der höhere der beiden Preise. Sie kaufen zu diesem Preis, wenn Sie erwarten, dass das Ergebnis steigen wird.
  • Verkaufspreis (Bid): Der niedrigere der beiden Preise. Sie verkaufen zu diesem Preis, wenn Sie erwarten, dass das Ergebnis fallen wird.

Die Differenz zwischen diesen beiden Preisen ist der Spread – die Gewinnmarge des Anbieters. Diese Spanne ist typischerweise klein (0,5–2 Punkte), aber sie ist ein wichtiger Kostenfaktor, den Sie bei jeder Wette berücksichtigen müssen.

Wie unterscheidet sich Kaufen von traditionellem Aktienkauf?

Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Kaufen beim Spread-Betting und dem traditionellen Aktienkauf:

Aspekt Spread-Betting Kaufen Traditioneller Aktienkauf
Vermögensbesitz Nein – nur Spekulation auf Preisbewegung Ja – Sie besitzen das Wertpapier
Hebelwirkung Ja – Handel mit Margin und Hebel Nein – vollständige Bezahlung erforderlich
Gewinne/Verluste Proportional zum Einsatz pro Punkt Proportional zur Anzahl der Aktien
Verfallsdatum Ja – feste Verfallsdaten für Positionen Nein – unbegrenzte Haltedauer möglich
Richtung Beide – kaufen (Long) oder verkaufen (Short) Primär Long – Leerverkäufe sind kompliziert
Kosten Spread, Finanzierungsgebühren Provisionen, Gebühren
Liquidität Abhängig vom Markt und Anbieter Hoch bei großen Unternehmen
Steuern In einigen Ländern steuerfrei (z.B. Großbritannien) Kapitalertragssteuer üblich

Die Rolle der Hebelwirkung beim Kaufen

Die Hebelwirkung (Leverage) ist eines der wichtigsten Merkmale des Spread-Betting-Kaufens. Sie ermöglicht es Ihnen, größere Positionen mit kleinerem Kapital zu kontrollieren. Wenn Sie beispielsweise mit einem Hebel von 1:10 handeln, können Sie eine Position im Wert von 1.000 Euro mit nur 100 Euro Margin kontrollieren.

Dies bedeutet, dass Ihre Gewinne vergrößert werden – aber auch Ihre Verluste. Ein Hebel von 1:10 bedeutet, dass ein Gewinn von 5 % auf dem Markt zu einem Gewinn von 50 % auf Ihrem Konto führt. Umgekehrt führt ein Verlust von 5 % zu einem Verlust von 50 %.

Die Hebelwirkung macht das Spread-Betting attraktiv für erfahrene Trader, aber sie ist auch der Hauptgrund, warum viele Anfänger Geld verlieren. Eine Regulierungsbehörde wie die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) hat daher strenge Hebelbegrenzungen eingeführt – typischerweise maximal 1:30 für Anfänger.


Wie funktioniert das Kaufen beim Spread-Betting Schritt für Schritt?

Das Kaufen beim Spread-Betting folgt einem klaren, wiederholbaren Prozess. Verstehen Sie diese Schritte, und Sie werden in der Lage sein, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Schritt 1 – Einen Markt auswählen und den Spread verstehen

Der erste Schritt ist die Auswahl eines Marktes, auf den Sie kaufen möchten. Dies könnte sein:

  • Sportwetten: Gesamttore, Eckbälle, Kartenpunkte, Torschützen
  • Finanzielle Märkte: Indizes (DAX, FTSE), Währungen (EUR/USD), Rohstoffe (Gold, Öl)
  • Sonstige: Wetterereignisse, Wahlresultate, Unterhaltungsereignisse

Nachdem Sie einen Markt ausgewählt haben, sehen Sie den Spread – zwei Preise nebeneinander. Beispiel für ein Fußballspiel mit Gesamttoren:

  • Verkaufspreis (Bid): 2,5
  • Kaufpreis (Offer): 3,5

Dies bedeutet: Der Anbieter denkt, dass die wahrscheinlichste Bandbreite für die Gesamttore zwischen 2,5 und 3,5 liegt. Wenn Sie glauben, dass es mehr Tore geben wird, kaufen Sie zu 3,5. Wenn Sie glauben, dass es weniger Tore geben wird, verkaufen Sie zu 2,5.

Schritt 2 – Den Einsatz pro Punkt bestimmen

Dies ist eine kritische Entscheidung. Der Einsatz pro Punkt ist der Betrag, den Sie pro Bewegungspunkt des Marktes gewinnen oder verlieren möchten.

Beispiel: Wenn Sie 10 Euro pro Punkt auf die Gesamttore setzen und kaufen zu 3,5:

  • Endet das Spiel mit 4 Toren: Gewinn = (4 – 3,5) × 10 = 5 Euro
  • Endet das Spiel mit 5 Toren: Gewinn = (5 – 3,5) × 10 = 15 Euro
  • Endet das Spiel mit 2 Toren: Verlust = (2 – 3,5) × 10 = –15 Euro

Wichtig: Der Einsatz pro Punkt bestimmt Ihr Risiko-Gewinn-Verhältnis. Ein höherer Einsatz bedeutet größere Gewinne, aber auch größere Verluste. Anfänger sollten mit kleinen Einsätzen (1–5 Euro pro Punkt) beginnen.

Schritt 3 – Die Buy-Position eröffnen und Gewinne/Verluste berechnen

Nachdem Sie den Markt und den Einsatz pro Punkt ausgewählt haben, klicken Sie auf die Buy-Schaltfläche und eröffnen die Position zu dem angezeigten Kaufspreis. Ihre Position ist nun offen und wird in Echtzeit aktualisiert.

Die Gewinn-/Verlustberechnung ist einfach:

Gewinn/Verlust = (Aktueller Kurs – Kaufspreis) × Einsatz pro Punkt

Beispiel mit realen Zahlen:

  • Markt: DAX-Index
  • Kaufspreis: 12.002
  • Einsatz pro Punkt: 10 Euro
  • Aktueller Kurs: 12.050
  • Gewinn = (12.050 – 12.002) × 10 = 48 × 10 = 480 Euro

Sie können die Position jederzeit schließen, indem Sie auf die Sell-Schaltfläche klicken. Die Position wird dann zum aktuellen Verkaufspreis geschlossen, und Ihr Gewinn oder Verlust wird realisiert.


Kaufen vs. Verkaufen beim Spread-Betting – Was ist der Unterschied?

Eines der wichtigsten Konzepte beim Spread-Betting ist das Verständnis der Unterschiede zwischen Kaufen und Verkaufen. Diese beiden Positionen sind gegensätzlich und erfordern unterschiedliche Markterwartungen.

Die Grundmechaniken: Buy und Sell erklärt

Kaufen (Buy) bedeutet, dass Sie erwarten, dass der Markt steigt oder das Ergebnis höher ausfällt als der Kaufspreis.

Verkaufen (Sell) bedeutet, dass Sie erwarten, dass der Markt fällt oder das Ergebnis niedriger ausfällt als der Verkaufspreis.

Die Gewinn-/Verlustberechnung ist entgegengesetzt:

  • Buy: Gewinn = (Endergebnis – Kaufspreis) × Einsatz
  • Sell: Gewinn = (Verkaufspreis – Endergebnis) × Einsatz

Beispiel:

  • Spread: 2,5 (Sell) bis 3,5 (Buy)
  • Einsatz: 10 Euro pro Punkt
  • Tatsächliches Ergebnis: 4 Tore

Wenn Sie kauften (zu 3,5): Gewinn = (4 – 3,5) × 10 = 5 Euro Wenn Sie verkauften (zu 2,5): Verlust = (2,5 – 4) × 10 = –15 Euro

Wann kauft man, wann verkauft man?

Diese Entscheidung hängt von Ihrer Markterwartung ab. Hier ist eine praktische Entscheidungsmatrix:

Szenario Markterwartung Aktion Begründung
Starker Aufwärtstrend sichtbar Bullisch – Preis steigt Kaufen Sie profitieren von der Aufwärtsbewegung
Schwacher Abwärtstrend sichtbar Bärisch – Preis fällt Verkaufen Sie profitieren von der Abwärtsbewegung
Hohe Volatilität erwartet Große Bewegung in beide Richtungen Kaufen oder Verkaufen (je nach Richtung) Volatilität bietet Gewinnchancen
Statistisch überbewerteter Markt Reversion zum Durchschnitt erwartet Verkaufen Der Preis sollte fallen
Statistisch unterbewerteter Markt Reversion zum Durchschnitt erwartet Kaufen Der Preis sollte steigen
Positive Nachrichten Bullenmarkt-Katalysator Kaufen Nachrichten treiben Preise nach oben
Negative Nachrichten Bärenmarkt-Katalysator Verkaufen Nachrichten treiben Preise nach unten

Praktischer Tipp: Anfänger sollten mit ihrer Markterwartung beginnen – nicht mit der Hoffnung auf Gewinne. Wenn Sie nicht glauben, dass ein Markt steigen wird, kaufen Sie nicht, egal wie hoch die potenziellen Gewinne sind.


Welche Risiken entstehen beim Kaufen und wie managt man sie?

Das Risikomanagement ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg beim Spread-Betting. Viele Anfänger ignorieren Risiken, weil sie von Gewinnen geblendet sind – und verlieren dann schnell ihr Kapital.

Das unbegrenzte Verlustrisiko beim Kaufen verstehen

Das größte Risiko beim Spread-Betting ist, dass Ihr Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt ist. Dies ist anders als bei Aktien, wo der maximale Verlust 100 % Ihres Einsatzes beträgt.

Beispiel:

  • Sie kaufen die Gesamttore bei 2,5 mit 10 Euro pro Punkt
  • Das Spiel endet 0:0 (0 Tore)
  • Ihr Verlust = (0 – 2,5) × 10 = –25 Euro

Dies ist bereits ein 2,5-facher Verlust Ihres Einsatzes. Wenn das Spiel mit noch weniger Toren endet (was nicht möglich ist, aber in anderen Märkten), könnte der Verlust noch größer sein.

In Märkten wie dem DAX-Index ist das Risiko noch größer. Wenn Sie zu 12.002 kaufen und der Index auf 11.000 fällt, beträgt Ihr Verlust:

  • (11.000 – 12.002) × 10 = –10.020 Euro – über 100x Ihr Einsatz!

Dies ist der Grund, warum Stop-Loss-Orders absolut notwendig sind.

Stop-Loss-Strategien für sichere Buy-Positionen

Ein Stop-Loss ist eine automatische Anweisung, Ihre Position zu schließen, wenn der Markt gegen Sie läuft und einen bestimmten Punkt erreicht. Dies begrenzt Ihren maximalen Verlust.

Es gibt mehrere Arten von Stop-Loss-Strategien:

Stop-Loss-Typ Beschreibung Beispiel Wann verwenden
Fester Stop-Loss Schließt die Position bei einem festen Preis Kaufen zu 3,5, Stop-Loss bei 2,5 Einfach, vorhersehbar
Prozentuale Stop-Loss Schließt bei X % Verlust 5 % Verlust = Position geschlossen Flexibel, passt sich dem Einsatz an
Trailing Stop-Loss Folgt dem Preis nach oben, schließt bei Rückgang Stop-Loss folgt dem Preis, bleibt 0,5 Punkte dahinter Sichert Gewinne, bleibt flexibel
Psychologischer Stop-Loss Sie schließen manuell bei Unbehagen Basiert auf Ihrem Urteil Erfordert Disziplin
Zeit-basierter Stop-Loss Schließt die Position nach X Zeit Position wird nach 24 Stunden geschlossen Begrenzt Haltedauer

Beispiel mit Trailing Stop-Loss:

  • Sie kaufen Gesamttore zu 3,5 mit 10 Euro pro Punkt
  • Sie setzen einen Trailing Stop-Loss von 0,5 Punkten
  • Der Markt steigt auf 4,5 (Gewinn = 10 Euro)
  • Der Trailing Stop-Loss liegt jetzt bei 4,0 (nicht mehr bei 3,0)
  • Wenn der Markt auf 3,8 fällt, wird die Position automatisch geschlossen

Dies sichert Ihre Gewinne und begrenzt gleichzeitig Ihre Verluste.

Richtige Positionsgröße und Risiko pro Trade

Die Positionsgröße ist der Betrag, den Sie pro Trade riskieren. Dies sollte ein kleiner Prozentsatz Ihres Gesamtkapitals sein.

Die gängigste Regel ist die 1–2 % Regel:

  • Pro Trade riskieren Sie maximal 1–2 % Ihres Gesamtkapitals
  • Beispiel: Wenn Sie 1.000 Euro haben, riskieren Sie maximal 10–20 Euro pro Trade

Um dies zu berechnen: Einsatz pro Punkt = (Risiko pro Trade) / (Punkte bis Stop-Loss)

Beispiel:

  • Kapital: 1.000 Euro
  • Risiko pro Trade: 1 % = 10 Euro
  • Kaufspreis: 3,5
  • Stop-Loss: 2,5
  • Punkte bis Stop-Loss: 3,5 – 2,5 = 1,0
  • Einsatz pro Punkt = 10 / 1,0 = 10 Euro pro Punkt

Dies bedeutet, dass Sie 10 Euro pro Punkt setzen können und maximal 10 Euro (1 % Ihres Kapitals) riskieren.

Häufige Anfängerfehler beim Risikomanagement

Viele Anfänger machen die gleichen Fehler wiederholt. Hier sind die häufigsten:

  1. Kein Stop-Loss setzen: Dies ist der größte Fehler. Ohne Stop-Loss können Sie unbegrenzte Verluste erleiden.

  2. Zu große Positionen: Anfänger setzen oft viel zu viel pro Punkt, weil sie von Gewinnen geblendet sind. Dies führt zu schnellen, großen Verlusten.

  3. Keine Positionsgröße-Regel befolgen: Die 1–2 % Regel ist nicht sexy, aber sie funktioniert. Ignorieren Sie sie nicht.

  4. Rache-Trading nach Verlusten: Nachdem Sie einen Verlust erleiden, setzen Sie größer, um den Verlust schnell zurückzugewinnen. Dies führt zu noch größeren Verlusten.

  5. Emotionale Entscheidungen: Sie halten an verlierenden Positionen fest, weil Sie "glauben", dass sie sich erholen werden. Disziplin ist wichtiger als Hoffnung.

  6. Kein Handelsplan: Sie handeln impulsiv, ohne vorher zu planen, wo Sie kaufen, wo Ihr Stop-Loss liegt und wo Sie profitieren.


Praktische Beispiele für erfolgreiches Kaufen beim Spread-Betting

Theorie ist wichtig, aber Praxis ist entscheidend. Hier sind konkrete Beispiele aus der realen Welt.

Sportwetten-Beispiel: Gesamttore beim Fußball

Szenario: Bayern Munich vs. Werder Bremen

Der Anbieter stellt den folgenden Spread für Gesamttore bereit:

  • Verkaufspreis (Sell): 2,5
  • Kaufspreis (Buy): 3,5

Sie glauben, dass es ein torreiches Spiel wird, und entscheiden sich zu kaufen zu 3,5 mit einem Einsatz von 5 Euro pro Tor.

Ihr Handelsplan:

  • Kaufspreis: 3,5
  • Stop-Loss: 2,0 (1,5 Punkte Risiko)
  • Gewinnziel: 5,5 (2 Punkte Gewinn)
  • Einsatz: 5 Euro pro Punkt
  • Maximales Risiko: 1,5 × 5 = 7,50 Euro
  • Maximaler Gewinn: 2,0 × 5 = 10 Euro

Szenario 1 – Das Spiel endet 1:1 (2 Tore):

  • Ergebnis: 2 Tore
  • Verlust = (2 – 3,5) × 5 = –7,50 Euro
  • Ihr Stop-Loss wird ausgelöst. Sie verlieren 7,50 Euro.

Szenario 2 – Das Spiel endet 2:2 (4 Tore):

  • Ergebnis: 4 Tore
  • Gewinn = (4 – 3,5) × 5 = 2,50 Euro
  • Sie schließen die Position mit einem Gewinn von 2,50 Euro.

Szenario 3 – Das Spiel endet 3:2 (5 Tore):

  • Ergebnis: 5 Tore
  • Gewinn = (5 – 3,5) × 5 = 7,50 Euro
  • Sie haben Ihr Gewinnziel erreicht. Sie schließen die Position mit 7,50 Euro Gewinn.

Sportwetten-Beispiel: Eckbälle beim Fußball

Szenario: England vs. Deutschland

Der Spread für Eckbälle:

  • Verkaufspreis (Sell): 10,5
  • Kaufspreis (Buy): 11,5

Sie analysieren die Teams und glauben, dass es viele Eckbälle geben wird. Sie kaufen zu 11,5 mit 2 Euro pro Eckball.

Ihr Handelsplan:

  • Kaufspreis: 11,5
  • Stop-Loss: 9,5 (2 Eckbälle Risiko)
  • Gewinnziel: 13,5 (2 Eckbälle Gewinn)
  • Einsatz: 2 Euro pro Eckball
  • Maximales Risiko: 2 × 2 = 4 Euro
  • Maximaler Gewinn: 2 × 2 = 4 Euro

Szenario 1 – Das Spiel hat 9 Eckbälle:

  • Ergebnis: 9 Eckbälle
  • Verlust = (9 – 11,5) × 2 = –5 Euro
  • Ihr Stop-Loss wird ausgelöst. Sie verlieren 5 Euro (leicht über Ihrem Plan, da der Markt zwischen Ganzzahlen springt).

Szenario 2 – Das Spiel hat 12 Eckbälle:

  • Ergebnis: 12 Eckbälle
  • Gewinn = (12 – 11,5) × 2 = 1 Euro
  • Sie schließen die Position mit 1 Euro Gewinn.

Szenario 3 – Das Spiel hat 14 Eckbälle:

  • Ergebnis: 14 Eckbälle
  • Gewinn = (14 – 11,5) × 2 = 5 Euro
  • Sie haben Ihr Gewinnziel übertroffen. Sie schließen die Position mit 5 Euro Gewinn.

Finanzmarkt-Beispiel: DAX-Index kaufen

Szenario: Sie möchten auf den DAX spekulieren

Der Anbieter stellt den folgenden Spread bereit:

  • Verkaufspreis (Sell): 12.000
  • Kaufspreis (Buy): 12.002

Sie erwarten, dass der DAX steigt, und entscheiden sich zu kaufen zu 12.002 mit 10 Euro pro Punkt.

Ihr Handelsplan:

  • Kaufspreis: 12.002
  • Stop-Loss: 11.950 (52 Punkte Risiko)
  • Gewinnziel: 12.100 (98 Punkte Gewinn)
  • Einsatz: 10 Euro pro Punkt
  • Maximales Risiko: 52 × 10 = 520 Euro
  • Maximaler Gewinn: 98 × 10 = 980 Euro

Szenario 1 – Der DAX fällt auf 11.900:

  • Ergebnis: 11.900
  • Verlust = (11.900 – 12.002) × 10 = –1.020 Euro
  • Ihr Stop-Loss wird ausgelöst. Sie verlieren 520 Euro (wie geplant).

Szenario 2 – Der DAX steigt auf 12.050:

  • Ergebnis: 12.050
  • Gewinn = (12.050 – 12.002) × 10 = 480 Euro
  • Sie schließen die Position mit 480 Euro Gewinn.

Szenario 3 – Der DAX steigt auf 12.100:

  • Ergebnis: 12.100
  • Gewinn = (12.100 – 12.002) × 10 = 980 Euro
  • Sie haben Ihr Gewinnziel erreicht. Sie schließen die Position mit 980 Euro Gewinn.

Welche psychologischen und emotionalen Herausforderungen gibt es beim Kaufen?

Das Spread-Betting ist nicht nur eine mathematische oder technische Aktivität – es ist auch eine psychologische. Viele erfolgreiche Trader sagen, dass die größte Herausforderung nicht die Marktanalyse ist, sondern die Beherrschung ihrer eigenen Emotionen.

Überconfidence und Überheblung

Überconfidence tritt auf, wenn Sie nach ein paar Gewinnen denken, dass Sie den Markt "verstanden" haben und anfangen, größer zu spielen.

Beispiel: Sie gewinnen 3 Trades hintereinander mit 10 Euro pro Punkt. Sie denken: "Ich bin ein Profi! Ich werde jetzt mit 50 Euro pro Punkt handeln." Dann verlieren Sie einen Trade und verlieren 50 × 5 Punkte = 250 Euro – mehr als alle Ihre bisherigen Gewinne zusammen.

Dies ist eine der häufigsten Fallen. Die Lösung ist Disziplin:

  • Halten Sie sich an Ihre Positionsgröße-Regel (1–2 % pro Trade)
  • Erhöhen Sie die Positionsgröße nur, wenn Sie Ihr Kapital vergrößert haben
  • Bedenken Sie, dass Glücksträhnen enden – immer

Verlustangst und Rache-Trading

Verlustangst ist das Gegenteil von Überconfidence. Nach einem großen Verlust fühlen Sie sich verzweifelt und möchten den Verlust sofort zurückgewinnen. Dies führt zu Rache-Trading – größeren, impulsiveren Trades, um Verluste zu kompensieren.

Beispiel: Sie verlieren 50 Euro auf einem Trade. Sie denken: "Ich muss diesen Verlust sofort zurückgewinnen!" Sie öffnen einen neuen Trade mit doppeltem Einsatz (20 Euro pro Punkt statt 10). Dieser Trade verliert auch – jetzt haben Sie 100 Euro verloren.

Die Lösung ist emotionale Distanz:

  • Nach einem großen Verlust, machen Sie eine Pause. Gehen Sie spazieren, trinken Sie einen Kaffee.
  • Folgen Sie Ihrem Handelsplan, nicht Ihren Emotionen
  • Akzeptieren Sie, dass Verluste Teil des Handels sind
  • Denken Sie langfristig, nicht kurzfristig

Die Bedeutung eines Handelplans und Disziplin

Ein Handelsplan ist Ihre Versicherung gegen emotionale Entscheidungen. Bevor Sie einen Trade öffnen, sollten Sie folgende Fragen beantworten:

  1. Warum öffne ich diesen Trade? (Marktanalyse, Nachricht, Muster)
  2. Wo ist mein Einstiegspunkt? (Kaufspreis)
  3. Wo ist mein Stop-Loss? (Maximaler Verlust)
  4. Wo ist mein Gewinnziel? (Wann schließe ich mit Gewinn?)
  5. Wie viel riskiere ich? (Einsatz pro Punkt)
  6. Was ist mein Risiko-Gewinn-Verhältnis? (Sollte mindestens 1:1 sein, besser 1:2)

Wenn Sie diese Fragen vor dem Trade beantworten, werden Sie nicht emotional entscheiden, während der Trade offen ist. Sie werden einfach Ihrem Plan folgen.

Beispiel eines einfachen Handelsplans:

Trade: DAX kaufen
Grund: Positive Wirtschaftsnachrichten, bullischer Trend
Einstieg: 12.002
Stop-Loss: 11.950 (52 Punkte)
Gewinnziel: 12.100 (98 Punkte)
Einsatz: 10 Euro pro Punkt
Risiko: 520 Euro (5 % meines Kapitals)
Gewinn: 980 Euro (9,8 % meines Kapitals)
Risiko-Gewinn-Verhältnis: 1:1,88 ✓

Mit diesem Plan können Sie ruhig bleiben und rational handeln, egal wie der Markt sich bewegt.


Wie hat sich das Konzept des "Kaufens" beim Spread-Betting entwickelt?

Das Konzept des Kaufens beim Spread-Betting ist nicht uralt – es ist eine relativ moderne Innovation, die sich in den letzten 50 Jahren dramatisch entwickelt hat.

Die Erfindung durch Stuart Wheeler 1974

Die Geschichte beginnt 1974 in Großbritannien. Stuart Wheeler, ein arbeitsloser Investmentbanker der City of London, hatte eine brillante Idee. Zu dieser Zeit war es britischen Bürgern illegal, auf Gold zu spekulieren. Gold durfte nur für industrielle Zwecke gekauft werden.

Wheeler dachte: "Warum nicht ein Index erstellen, auf das die Preis des Goldes spekuliert, ohne das physische Gold zu kaufen?" Er begann, seinen Freunden Kauf- und Verkaufspreise für einen "Investors Gold Index" anzubieten – basierend auf den wöchentlichen Goldpreisfeststellungen bei N.M. Rothschild.

Die Idee war revolutionär. Plötzlich konnten normale Menschen mit kleinen Einsätzen auf Goldpreise spekulieren, ohne das physische Metal zu kaufen. Die Bank of England war anfangs dagegen, aber Wheeler änderte den Namen in IG Index (International Gold), und das Konzept wurde akzeptiert.

Dies war die Geburt des modernen Spread-Betting.

Entwicklung von Bucket Shops zu modernem Spread-Betting

Interessanterweise war das Konzept des Handelns auf Preisbewegungen ohne Vermögensbesitz nicht neu. In den USA gab es in den 1900er Jahren sogenannte "Bucket Shops" – kleine Büros, in denen Sie auf Aktienpreise wetten konnten, ohne die Aktien zu besitzen.

Diese Bucket Shops waren wie Mini-Börsen. Blackboards mit Aktiensymbolen und Preisen bedeckten die Wände, und Clerks aktualisierten die Preise basierend auf Ticker-Daten. Sie konnten hineingehen, eine Wette platzieren, und am Ende des Tages entweder Ihre Gewinne abholen oder Ihre Verluste akzeptieren.

Allerdings wurden Bucket Shops in den USA verboten – teilweise wegen der wachsenden Macht der Wall Street Firmen, die den Wettbewerb nicht mochten. Wheeler's Idee in Großbritannien war im Grunde eine Wiedererfindung dieses Konzepts für den modernen Finanzmarkt.

Expansion und Regulierung bis heute

Nach dem erfolgreichen Start mit Gold erweiterte IG Index sein Angebot schnell auf andere Märkte – Währungen, Rohstoffe, Indizes. In den 1980er Jahren wuchsen andere Spread-Betting-Anbieter, darunter Sporting Index und andere.

Die 1990er Jahre waren der Durchbruch. Mit der Verbreitung des Internets und besserer Technologie wurde Spread-Betting für normale Menschen zugänglich. Heute bieten Hunderte von Brokern und Wettanbietern Spread-Betting an.

Allerdings hat sich auch die Regulierung verschärft. Nach der Finanzkrise 2008 und der Erkenntnis, dass viele unerfahrene Trader Geld verlieren, führten Regulatoren wie die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) strenge Regeln ein:

  • Hebelbegrenzungen: Maximal 1:30 für Anfänger, 1:20 für Großbritannien
  • Negativer Saldo-Schutz: Sie können nicht mehr verlieren als Ihre Einzahlung
  • Risikoinformationen: Broker müssen klar kommunizieren, dass 70–80 % der Anfänger Geld verlieren
  • Kundengelder-Segregation: Ihre Gelder werden getrennt vom Vermögen des Brokers gehalten

Diese Regulierungen haben den Markt sicherer gemacht, aber auch weniger profitabel für rücksichtslose Trader.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Kaufen und Verkaufen beim Spread-Betting?

Beim Kaufen (Buy) spekulieren Sie darauf, dass der Markt steigt oder das Ergebnis höher ausfällt. Beim Verkaufen (Sell) spekulieren Sie darauf, dass der Markt fällt oder das Ergebnis niedriger ausfällt. Die Gewinn-/Verlustberechnung ist gegensätzlich: Bei Buy profitieren Sie, wenn der Markt über dem Kaufspreis liegt; bei Sell profitieren Sie, wenn der Markt unter dem Verkaufspreis liegt.

Wie berechnet man Gewinn und Verlust beim Kaufen?

Die Formel ist einfach: Gewinn/Verlust = (Endergebnis – Kaufspreis) × Einsatz pro Punkt. Beispiel: Sie kaufen Gesamttore zu 3,5 mit 10 Euro pro Punkt. Das Spiel endet mit 5 Toren. Ihr Gewinn = (5 – 3,5) × 10 = 15 Euro.

Welche Risiken hat das Kaufen bei Spread-Wetten?

Das größte Risiko ist, dass Ihr Verlustpotenzial theoretisch unbegrenzt ist. Wenn Sie zu 3,5 kaufen und das Ergebnis ist 0, verlieren Sie 35 Euro für jeden Euro, den Sie pro Punkt eingesetzt haben. Deshalb sind Stop-Loss-Orders absolut notwendig.

Wann sollte man eine Buy-Position eröffnen?

Sie sollten kaufen, wenn Sie erwarten, dass der Markt steigt oder das Ergebnis höher ausfällt als der Kaufspreis. Dies basiert auf Ihrer Marktanalyse – Trends, Nachrichten, statistischen Mustern oder Ihrer Expertise. Kaufen Sie nicht impulsiv oder aus Hoffnung.

Was ist ein Stop-Loss beim Spread Betting?

Ein Stop-Loss ist eine automatische Anweisung, Ihre Position zu schließen, wenn der Markt gegen Sie läuft und einen bestimmten Punkt erreicht. Dies begrenzt Ihren maximalen Verlust. Beispiel: Sie kaufen zu 3,5 und setzen einen Stop-Loss bei 2,5. Wenn der Markt auf 2,5 fällt, wird Ihre Position automatisch geschlossen, und Sie verlieren (3,5 – 2,5) × Einsatz.

Wie funktioniert der Einsatz pro Punkt?

Der Einsatz pro Punkt ist der Betrag, den Sie pro Bewegungspunkt des Marktes gewinnen oder verlieren möchten. Beispiel: Wenn Sie 10 Euro pro Punkt setzen und der Markt steigt um 2 Punkte, gewinnen Sie 20 Euro. Wenn der Markt um 2 Punkte fällt, verlieren Sie 20 Euro.

Kann man unbegrenzt verlieren beim Kaufen?

Theoretisch ja – Ihr Verlustpotenzial ist unbegrenzt. Praktisch nein – wenn Sie einen Stop-Loss setzen, ist Ihr maximaler Verlust begrenzt. Deshalb ist ein Stop-Loss nicht optional, sondern essentiell. Moderne Broker bieten auch "Negativer Saldo-Schutz", was bedeutet, dass Sie nicht mehr verlieren können als Ihre Einzahlung.

Wie viel Kapital sollte ich zum Starten haben?

Es gibt keine Mindestanforderung, aber Anfänger sollten mit mindestens 500–1.000 Euro beginnen. Dies ermöglicht es Ihnen, mit kleinen Einsätzen (1–5 Euro pro Punkt) zu handeln und zu lernen, ohne schnell Geld zu verlieren. Denken Sie daran: 70–80 % der Anfänger verlieren Geld.

Ist Spread-Betting legal?

In den meisten europäischen Ländern ist Spread-Betting legal und reguliert. In Großbritannien ist es völlig legal und weit verbreitet. In Deutschland ist es auch legal, aber weniger weit verbreitet als CFD-Trading. Überprüfen Sie die Gesetze Ihres Landes, bevor Sie beginnen.

Welche Märkte kann ich beim Spread-Betting kaufen?

Sie können auf fast jeden Markt spekulieren: Sportereignisse (Gesamttore, Eckbälle, Kartenpunkte), Finanzielle Märkte (Indizes, Währungen, Rohstoffe, Aktien), Kryptowährungen, Wetterereignisse und sogar Unterhaltungsereignisse (Wahlresultate, Oscar-Gewinner).


Fazit

Das Kaufen beim Spread-Betting ist eine spekulative Aktivität, die große Gewinne bieten kann, aber auch große Risiken birgt. Der Schlüssel zum Erfolg ist:

  1. Verstehen Sie die Mechaniken: Wie Spreads, Einsätze pro Punkt und Gewinn-/Verlustberechnung funktionieren.

  2. Setzen Sie immer einen Stop-Loss: Dies ist nicht optional. Es ist Ihre Versicherung gegen unbegrenzte Verluste.

  3. Folgen Sie einer Positionsgröße-Regel: Riskieren Sie maximal 1–2 % Ihres Kapitals pro Trade.

  4. Erstellen Sie einen Handelsplan: Bevor Sie einen Trade öffnen, wissen Sie, wo Sie kaufen, wo Ihr Stop-Loss liegt und wo Ihr Gewinnziel liegt.

  5. Kontrollieren Sie Ihre Emotionen: Überconfidence und Rache-Trading sind die größten Feinde eines Traders.

  6. Lernen Sie kontinuierlich: Spread-Betting ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Studieren Sie Märkte, analysieren Sie Ihre Trades und verbessern Sie sich ständig.

Wenn Sie diese Prinzipien befolgen, haben Sie eine viel bessere Chance, langfristig erfolgreich zu sein. Denken Sie daran: Spread-Betting ist kein Glücksspiel – es ist ein Handwerk, das gelernt und gemeistert werden kann.

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