Eishockey

Plus/Minus

Plus/Minus ist eine Eishockey-Statistik, die die Tor-Differenz eines Spielers während seiner Eiszeit misst – ein wichtiger, aber umstrittener Indikator für die Spielerleistung.

Was ist Plus/Minus und wie funktioniert diese Statistik?

Plus/Minus ist eine Spielerstatistik im Eishockey, die die Tor-Differenz eines Feldspielers während seiner Zeit auf dem Eis misst. Ein Spieler erhält ein Plus (+), wenn sein Team ein Tor erzielt, während er auf dem Eis ist, und ein Minus (-), wenn sein Team ein Gegentor kassiert. Die Plus/Minus-Bilanz zeigt die Summe dieser Ereignisse über ein Spiel, eine Saison oder eine Karriere.

Diese Statistik ist besonders im nordamerikanischen Eishockey verbreitet und wird häufig verwendet, um die Defensivzuverlässigkeit und den Gesamtbeitrag eines Spielers zum Teamerfolg zu beurteilen. Ein hoher Pluswert wird oft als Zeichen eines starken Verteidigers oder eines Spielers interpretiert, der sein Team stabilisiert. Allerdings ist die Interpretation komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Definition und grundlegendes Konzept

Die Plus/Minus-Statistik funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Jedes Mal, wenn der Spieler auf dem Eis ist und sein Team ein Tor erzielt, erhält er einen Pluspunkt. Jedes Mal, wenn ein Gegentor fällt, während er spielt, erhält er einen Minuspunkt. Die Differenz dieser beiden Werte ist seine Plus/Minus-Bilanz.

Beispiel: Wenn ein Spieler während eines Spiels auf dem Eis ist, während sein Team drei Tore erzielt, und während dieser Zeit zwei Gegentore kassiert, beträgt seine Plus/Minus-Bilanz für dieses Spiel +1 (3 Tore minus 2 Gegentore).

Wichtig ist: Diese Statistik wird nur während der regulären Spielzeit (Even-Strength oder Unterzahl) gezählt. Powerplay-Tore – also Tore, die das Team in Überzahl erzielt – haben keinen Einfluss auf die Plus/Minus-Bilanz. Dies ist eine bewusste Designentscheidung, da Powerplay-Tore als Teamleistung und nicht als individuelle Defensivleistung betrachtet werden.

Situation Spieler auf Eis Ergebnis Plus/Minus
Team erzielt Even-Strength-Tor Ja +1 +1
Gegner erzielt Even-Strength-Tor Ja -1 -1
Team erzielt Powerplay-Tor Ja 0
Gegner erzielt Powerplay-Tor Ja 0
Team erzielt Shorthanded-Tor Ja +1 +1
Gegner erzielt Shorthanded-Tor Ja -1 -1
Empty-Net-Tor (Team) Ja +1 +1
Empty-Net-Tor (Gegner) Ja -1 -1

Die Berechnung und Zählung während eines Spiels

Die Berechnung der Plus/Minus-Statistik erfolgt in Echtzeit während eines Spiels. Jedes Mal, wenn ein Tor erzielt wird, überprüfen die Statistiker, welche Spieler auf dem Eis sind. Alle Spieler des torerzielenden Teams erhalten einen Pluspunkt, alle Spieler des Gegners einen Minuspunkt – jedoch nur unter den spezifischen Bedingungen (Even-Strength oder Shorthanded).

Über eine ganze Saison hinweg werden diese Werte kumulativ addiert. Ein Spieler mit einer Plus/Minus-Bilanz von +25 bedeutet, dass sein Team während seiner Eiszeit 25 mehr Tore erzielt hat als kassiert (wiederum nur bei Even-Strength und Shorthanded-Spielen).

Die Statistik wird oft in verschiedenen Zeiträumen betrachtet:

  • Spiel-Plus/Minus: Die Bilanz in einem einzelnen Spiel
  • Saison-Plus/Minus: Die kumulative Bilanz über eine ganze Saison
  • Karriere-Plus/Minus: Die Gesamtbilanz über die gesamte Karriere eines Spielers

Es ist wichtig zu verstehen, dass Plus/Minus eine Teambilanz ist, nicht nur eine individuelle Leistungskennzahl. Ein Spieler mit herausragendem Plus/Minus spielt möglicherweise einfach in einem sehr starken Team, während ein Spieler mit schlechtem Plus/Minus in einem schwachen Team spielen könnte – unabhängig von seiner individuellen Fähigkeit.

Ausnahmen und Spezialregeln

Die Plus/Minus-Statistik hat mehrere wichtige Ausnahmeregelungen, die oft missverstanden werden:

Powerplay-Ausnahme: Wenn ein Team in Überzahl (Powerplay) ein Tor erzielt, zählt dieses Tor nicht für die Plus/Minus-Bilanz. Dies liegt daran, dass Powerplay-Tore als Teamleistung betrachtet werden und nicht die Defensivfähigkeit eines einzelnen Spielers widerspiegeln. Ein Spieler, der während eines Powerplay-Tores auf dem Eis ist, erhält keinen Pluspunkt.

Shorthanded-Tore: Im Gegensatz zu Powerplay-Toren zählen Shorthanded-Tore (Tore in Unterzahl) vollständig für die Plus/Minus-Bilanz. Dies ist eine wichtige Unterscheidung, da Shorthanded-Tore als außergewöhnliche Defensivleistung gelten.

Empty-Net-Tore: Dies ist eine häufig kritisierte Regelung. Wenn ein Team das Netz des Gegners leer räumt (der Torwart wurde herausgenommen) und ein Tor erzielt, zählt dieses für die Plus/Minus-Bilanz. Allerdings wird ein Spieler, der in dieser Situation auf dem Eis ist, mit einem Minuspunkt bestraft, wenn der Gegner das leere Tor trifft – eine Situation, die er nicht kontrollieren kann.

Diese Ausnahmeregelungen sind zentral für das Verständnis, warum Plus/Minus oft kritisiert wird. Ein Spieler kann durch diese Regeln erheblich benachteiligt oder begünstigt werden, ohne dass seine tatsächliche Leistung dies rechtfertigt.

Woher kommt die Plus/Minus-Statistik und wie hat sie sich entwickelt?

Historischer Ursprung und Entstehung

Die Plus/Minus-Statistik wurde in den 1950er Jahren eingeführt, um eine quantitative Methode zur Bewertung der Defensivleistung von Spielern zu schaffen. Zu dieser Zeit waren die verfügbaren Statistiken im Eishockey sehr begrenzt – hauptsächlich Tore und Assists. Trainer und Analysten suchten nach einer Möglichkeit, die Auswirkungen eines Spielers auf den Teamerfolg zu messen, insbesondere seine Fähigkeit, sein Team defensiv zu stabilisieren.

Die Metrik war relativ einfach zu berechnen und zu verstehen, was zu ihrer schnellen Verbreitung führte. In den frühen Jahrzehnten des Eishockeys, als computergestützte Analysen nicht verfügbar waren, war Plus/Minus eine der wenigen praktischen Möglichkeiten, um die Defensivleistung zu quantifizieren.

Die NHL übernahm die Statistik offiziell in den 1960er Jahren und machte sie zu einer Standard-Statistik für alle Spieler. Seitdem ist sie ein fester Bestandteil der Eishockey-Statistiken geblieben, obwohl ihre Zuverlässigkeit zunehmend in Frage gestellt wird.

Verbreitung und Bedeutung in verschiedenen Ligen

Die Plus/Minus-Statistik ist in der NHL (National Hockey League) am weitesten verbreitet und wird dort als Standard-Statistik für alle Spieler geführt. In Nordamerika wird sie von Trainern, Analysten und Fans häufig verwendet, um Spieler zu bewerten.

In europäischen Ligen wie der DEL (Deutsche Eishockey Liga) und anderen europäischen Verbänden ist die Plus/Minus-Statistik weniger zentral. Viele europäische Teams und Analysten verlassen sich mehr auf andere Metriken oder traditionelle Statistiken wie Tore und Assists. Dies liegt teilweise daran, dass europäische Ligen traditionell weniger Wert auf umfangreiche Statistiken legten und teilweise daran, dass die Kritik an Plus/Minus in Europa früher ernst genommen wurde.

Die Bedeutung der Statistik variiert auch je nach Liga-Niveau. In der NHL und professionellen Ligen wird sie regelmäßig verwendet, während sie auf Amateur- oder Junior-Level oft vernachlässigt wird.

Wie unterscheidet sich Plus/Minus von modernen Statistik-Metriken?

Plus/Minus vs. Corsi und Fenwick

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Eishockey-Analytik erheblich weiterentwickelt. Corsi und Fenwick sind zwei moderne Metriken, die Plus/Minus in vielen Aspekten übertroffen haben.

Corsi misst alle Schussversuche – Tore, Schüsse aufs Tor und blockierte Schüsse – während ein Spieler auf dem Eis ist. Die Idee dahinter ist, dass eine Mannschaft, die mehr Schussversuche hat, tendenziell eine bessere Chance hat zu gewinnen. Corsi ist aussagekräftiger als Plus/Minus, weil es nicht nur auf tatsächliche Tore wartet, sondern auch die Qualität des Spiels misst.

Fenwick ist ähnlich wie Corsi, zählt aber nur Schüsse aufs Tor und blockierte Schüsse, nicht aber Fehlschüsse. Dies macht Fenwick etwas präziser, da es sich auf Schussversuche konzentriert, die tatsächlich zum Tor führen könnten.

Der Hauptvorteil dieser Metriken gegenüber Plus/Minus ist, dass sie weniger von Glück abhängen. Ein Team kann viele gute Chancen haben und dennoch nicht treffen – Plus/Minus würde dies nicht erfassen. Corsi und Fenwick zeigen die Qualität des Spiels, nicht nur das Endergebnis.

Metrik Misst Vorteile Nachteile
Plus/Minus Tor-Differenz (Even-Strength/Shorthanded) Einfach zu verstehen, historisch Stark teamabhängig, glückabhängig, begrenzte Aussagekraft
Corsi Alle Schussversuche Weniger glückabhängig, bessere Vorhersagekraft Komplexer zu berechnen, berücksichtigt nicht Schussqualität
Fenwick Schüsse + blockierte Schüsse Präziser als Corsi, bessere Vorhersagekraft Schließt Fehlschüsse aus, komplexer
Expected Goals (xG) Erwartete Torquote basierend auf Schussqualität Beste Vorhersagekraft, qualitätsorientiert Sehr komplex, erfordert fortgeschrittene Analysen

Der Aufstieg von Expected Goals (xG)

In den letzten Jahren ist Expected Goals (xG) zur bevorzugten Metrik unter professionellen Analysten aufgestiegen. xG misst nicht nur die Anzahl der Schussversuche, sondern auch deren Qualität. Jedem Schuss wird basierend auf historischen Daten eine Wahrscheinlichkeit zugewiesen, ein Tor zu werden. Ein Schuss aus kurzer Distanz hat eine höhere xG-Wahrscheinlichkeit als ein Schuss aus großer Entfernung.

xG ist Plus/Minus in vielen Aspekten überlegen, weil es:

  • Die Qualität des Spiels misst, nicht nur das Endergebnis
  • Weniger von Glück abhängt
  • Bessere Vorhersagekraft für zukünftige Leistung hat
  • Nicht von Teamzusammensetzung verzerrt wird

Während Plus/Minus eine bloße Bilanz ist, zeigt xG, wie gut ein Team tatsächlich gespielt hat, unabhängig davon, ob die Tore fielen oder nicht. Dies macht xG für Trainer, Analysten und Wettfreunde viel wertvoller.

Warum ist Plus/Minus so umstritten und welche Kritik gibt es?

Die Hauptkritikpunkte an der Statistik

Plus/Minus ist einer der am meisten kritisierten Statistiken im modernen Eishockey. Die Gründe sind vielfältig und wissenschaftlich fundiert:

Teamabhängigkeit: Der größte Kritikpunkt ist, dass Plus/Minus stark von der Teamqualität abhängt. Ein ausgezeichneter Verteidiger in einem schwachen Team kann eine negative Plus/Minus-Bilanz haben, während ein durchschnittlicher Spieler in einem starken Team eine positive Bilanz haben kann. Dies macht es extrem schwierig, individuelle Leistung zu isolieren.

Glücksfaktor: Eishockey ist ein Sport, in dem Glück eine Rolle spielt. Ein Team kann viele gute Chancen haben und wenig treffen, während ein anderes Team wenige Chancen hat und viele trifft. Plus/Minus misst nur das Endergebnis, nicht die Qualität des Spiels. Ein Spieler kann ausgezeichnet defensiv spielen, aber trotzdem mit negativem Plus/Minus enden, weil sein Team Pech mit der Torquote hat.

Empty-Net-Verzerrung: Die Regelung für Empty-Net-Tore ist besonders problematisch. Ein Spieler wird bestraft, wenn der Gegner in eine leeres Netz trifft, eine Situation, die er nicht kontrollieren kann. Dies führt zu künstlichen Verzerrungen in der Statistik.

Torwart-Einfluss: Die Leistung des Torwarts hat großen Einfluss auf Plus/Minus. Ein Spieler mit einem ausgezeichneten Torwart hinter sich wird tendenziell eine bessere Plus/Minus-Bilanz haben als ein gleich guter Spieler mit einem schwächeren Torwart.

Spielzeitverzerrung: Spieler, die mehr Eiszeit bekommen, haben tendenziell bessere Plus/Minus-Bilanzen, einfach weil sie mehr Gelegenheiten haben, Punkte zu sammeln. Dies macht es schwierig, Spieler mit unterschiedlicher Eiszeit zu vergleichen.

Wissenschaftliche Studien und Forschungsergebnisse

Mehrere wissenschaftliche Studien haben die Zuverlässigkeit von Plus/Minus untersucht. Eine häufig zitierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass etwa ein Drittel der Plus/Minus-Bilanz nicht den richtigen Spielern angerechnet wird. Dies bedeutet, dass die Statistik zu etwa 33% fehlerhaft ist.

Eine andere Studie zeigte, dass Plus/Minus eine schwache Vorhersagekraft für zukünftige Leistung hat. Ein Spieler mit hohem Plus/Minus in einer Saison wird nicht unbedingt hohe Plus/Minus-Werte in der nächsten Saison haben. Dies deutet darauf hin, dass die Statistik mehr vom Zufall abhängt als von individueller Fähigkeit.

Mehrere Analysten und Statistiker haben argumentiert, dass Plus/Minus nicht als Hauptindikator für die Spielerqualität verwendet werden sollte. Stattdessen sollten moderne Metriken wie Corsi, Fenwick oder xG bevorzugt werden, die weniger vom Zufall abhängen und bessere Vorhersagekraft haben.

Häufige Missverständnisse und falsche Interpretationen

Ein großes Missverständnis ist, dass Plus/Minus die Defensivleistung eines Spielers misst. Dies ist nicht ganz korrekt. Plus/Minus misst die Tor-Differenz, nicht die Defensivqualität. Ein Spieler kann ausgezeichnet defensiv spielen, aber dennoch eine negative Plus/Minus-Bilanz haben, wenn sein Team wenig trifft.

Ein weiteres Missverständnis ist, dass ein hoher Plus/Minus-Wert bedeutet, dass ein Spieler besser ist als andere Spieler. Dies ist nicht notwendigerweise wahr. Ein hoher Plus/Minus-Wert könnte einfach bedeuten, dass der Spieler in einem sehr starken Team spielt.

Viele Menschen verwechseln auch Plus/Minus mit anderen Statistiken wie Schussquote oder Torquote. Plus/Minus ist eine eigenständige Statistik, die nur die Tor-Differenz misst, nicht die Effizienz beim Treffen.

Wie wird Plus/Minus im Wettbereich und in der Spieleranalyse verwendet?

Plus/Minus in Sportwetten und Quoten

Im Wettbereich wird Plus/Minus oft als eine von mehreren Statistiken verwendet, um Spielerleistung zu bewerten. Besonders bei Player Props (Wetten auf individuelle Spielerleistung) kann Plus/Minus relevant sein. Wettbörsen bieten oft Wetten auf die Plus/Minus-Bilanz eines Spielers in einem Spiel an.

Allerdings sollten erfahrene Wettfreunde Plus/Minus nicht als Hauptindikator verwenden. Die Statistik ist zu stark von Teamfaktoren abhängig und zu glückabhängig, um zuverlässig für Vorhersagen zu sein. Bessere Wettfreunde kombinieren Plus/Minus mit anderen Metriken wie:

  • Schussquote des Teams
  • Expected Goals (xG)
  • Corsi/Fenwick-Werte
  • Torwart-Leistung
  • Verletzungssituation

Eine kombinierte Analyse, die Plus/Minus als einen Faktor unter vielen berücksichtigt, ist viel zuverlässiger als eine Analyse, die sich ausschließlich auf Plus/Minus stützt.

Verwendung durch Trainer und Analysten

Professionelle Trainer und Analysten verwenden Plus/Minus typischerweise als Trendindikator über längere Zeiträume. Anstatt einen einzelnen Plus/Minus-Wert zu überinterpretieren, betrachten sie die Entwicklung über mehrere Spiele oder eine ganze Saison.

Ein Trainer könnte beispielsweise bemerken, dass ein Spieler, der normalerweise eine positive Plus/Minus-Bilanz hat, plötzlich eine negative Bilanz aufweist. Dies könnte ein Zeichen sein, dass der Spieler verletzt ist, dass das Team schlecht spielt oder dass der Spieler in einer Slump-Phase ist. Der Trainer würde dies als Signal verwenden, um weitere Analysen durchzuführen.

Moderne Trainer verlassen sich jedoch zunehmend auf fortgeschrittenere Metriken. Plus/Minus wird oft als ergänzende Statistik betrachtet, nicht als Hauptindikator. Ein guter Trainer wird Plus/Minus im Kontext anderer Daten interpretieren.

Kombination mit anderen Metriken

Die beste Verwendung von Plus/Minus ist in Kombination mit anderen Statistiken. Ein holistischer Ansatz könnte wie folgt aussehen:

  1. Überprüfe Plus/Minus als ersten Indikator: Hat der Spieler eine positive oder negative Bilanz? Dies gibt einen schnellen Überblick.

  2. Analysiere Corsi/Fenwick: Sind die Schussversuche des Spielers positiv? Dies zeigt die Spielqualität.

  3. Betrachte xG: Wie sieht die Expected Goals aus? Dies zeigt, wie viele Tore der Spieler/das Team hätte erzielen sollen.

  4. Berücksichtige Kontextfaktoren: Wer ist der Torwart? Wie gut ist das Team insgesamt? Welche Gegner hat der Spieler gespielt?

  5. Vergleiche mit anderen Spielern: Wie schneidet der Spieler im Vergleich zu ähnlichen Spielern ab?

Diese mehrstufige Analyse gibt ein viel besseres Verständnis der tatsächlichen Leistung als Plus/Minus allein.

Praktische Beispiele und Fallstudien aus der NHL

Beispiele von Spielern mit hohem Plus/Minus

Spieler mit sehr hohem Plus/Minus sind oft defensiv starke Spieler in sehr guten Teams. Ein klassisches Beispiel wäre ein Verteidiger, der in einem Stanley-Cup-Kandidaten-Team spielt und durchgehend positive Plus/Minus-Werte hat.

Ein konkretes Beispiel: Ein Verteidiger mit einer Plus/Minus-Bilanz von +30 in einer Saison spielt möglicherweise in einem Team, das insgesamt sehr stark ist. Dies könnte bedeuten:

  • Der Spieler spielt defensiv gut
  • Das Team insgesamt spielt offensiv gut und erzielt viele Tore
  • Der Torwart des Teams ist ausgezeichnet
  • Der Spieler hatte Glück mit Schussquoten

Ohne weitere Analyse kann man nicht sicher sagen, welcher dieser Faktoren am wichtigsten ist.

Beispiele von Spielern mit niedrigem oder negativem Plus/Minus

Ein ausgezeichneter Spieler kann trotzdem eine negative Plus/Minus-Bilanz haben. Ein klassisches Beispiel wäre ein talentierter Stürmer in einem schwachen Team. Der Spieler könnte:

  • Viele Schussversuche haben (hoher Corsi)
  • Viele Expected Goals generieren (hoher xG)
  • Viele Tore erzielen
  • Trotzdem eine negative Plus/Minus-Bilanz haben, weil das Team insgesamt schwach ist und viele Gegentore kassiert

Dies zeigt, warum Plus/Minus allein ein unzuverlässiger Indikator für Spielerqualität ist.

Sollte man sich auf Plus/Minus verlassen – und wenn ja, wie?

Wann ist Plus/Minus aussagekräftig?

Plus/Minus ist am aussagekräftigsten, wenn:

  1. Langfristige Trends: Man betrachtet Plus/Minus über eine ganze Saison oder mehrere Saisons, nicht über einzelne Spiele.

  2. Ähnliche Spieler: Man vergleicht Spieler in ähnlichen Rollen und auf ähnlichen Teams.

  3. Ausreichende Eiszeit: Der Spieler hat eine ausreichend lange Eiszeit, um Zufallsschwankungen auszugleichen.

  4. Teamkontext: Man berücksichtigt die Gesamtqualität des Teams, des Torwarts und der Gegner.

  5. Kombiniert mit anderen Metriken: Man verwendet Plus/Minus nicht isoliert, sondern zusammen mit Corsi, xG und anderen Statistiken.

Wann ist Plus/Minus irreführend?

Plus/Minus ist irreführend oder unzuverlässig, wenn:

  1. Einzelne Spiele: Man interpretiert Plus/Minus basierend auf einem einzelnen Spiel.

  2. Kleine Stichproben: Der Spieler hat nur wenige Spiele oder wenig Eiszeit.

  3. Stark unterschiedliche Teams: Man vergleicht Spieler in sehr unterschiedlichen Teams ohne Kontextberücksichtigung.

  4. Neuanfänge: Ein Spieler wurde gerade zu einem neuen Team getradet – die Plus/Minus-Bilanz könnte sich schnell ändern.

  5. Empty-Net-Situationen: Die Bilanz könnte durch mehrere Empty-Net-Gegentore verzerrt sein.

Die beste Interpretation und Verwendung

Die beste Herangehensweise ist, Plus/Minus als einen Indikator unter vielen zu betrachten, nicht als Hauptindikator. Ein guter Analyst wird:

  • Plus/Minus im Kontext anderer Statistiken interpretieren
  • Die Teamsituation berücksichtigen
  • Lange Zeiträume betrachten, nicht einzelne Spiele
  • Mehrere Metriken kombinieren
  • Kritisch über die Grenzen der Statistik nachdenken

Plus/Minus hat seinen Platz in der Eishockey-Analyse, aber es sollte nicht überbewertet werden. Moderne Analysten bevorzugen Metriken wie Corsi, Fenwick und xG, die weniger von Zufall abhängen und bessere Vorhersagekraft haben.

Zukunft und mögliche Reformen der Plus/Minus-Statistik

Diskussionen über Reformvorschläge

Es gibt mehrere Vorschläge, wie Plus/Minus verbessert werden könnte:

  1. Ausschluss von Empty-Net-Toren: Ein häufiger Vorschlag ist, Empty-Net-Tore aus der Plus/Minus-Berechnung auszuschließen, da sie nicht die Defensivleistung widerspiegeln.

  2. Gewichtung nach Spielzeitdauer: Ein anderer Vorschlag ist, Plus/Minus pro Minute Eiszeit zu berechnen, um Spieler mit unterschiedlicher Eiszeit vergleichbar zu machen.

  3. Trennung von Powerplay und Even-Strength: Eine detailliertere Variante könnte Plus/Minus separat für verschiedene Spielsituationen messen.

  4. Kontextuelle Anpassung: Einige Vorschläge beinhalten, Plus/Minus basierend auf Gegner-Qualität oder anderen Kontextfaktoren anzupassen.

Allerdings haben sich diese Reformvorschläge bisher nicht durchgesetzt, da die Eishockey-Gemeinschaft zunehmend zu modernen Metriken übergeht, anstatt Plus/Minus zu reformieren.

Wird Plus/Minus obsolet?

Es ist wahrscheinlich, dass Plus/Minus in der professionellen Analyse zunehmend an Bedeutung verliert. Moderne Metriken wie Corsi, Fenwick und xG sind einfach aussagekräftiger und zuverlässiger.

Allerdings wird Plus/Minus wahrscheinlich nicht vollständig verschwinden, weil:

  1. Historische Kontinuität: Die Statistik hat eine lange Geschichte und wird weiterhin für historische Vergleiche verwendet.

  2. Allgemeine Verständlichkeit: Plus/Minus ist einfach zu verstehen, was es für Fans attraktiv macht.

  3. Standardisierung: Plus/Minus ist in der NHL standardisiert und wird weiterhin offiziell geführt.

  4. Ergänzende Rolle: Plus/Minus kann weiterhin als ergänzende Statistik nützlich sein, auch wenn sie nicht als Hauptindikator verwendet wird.

Die Zukunft der Eishockey-Analyse wird wahrscheinlich von modernen Metriken dominiert, aber Plus/Minus wird als historische und ergänzende Statistik bestehen bleiben.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Plus/Minus

F: Warum wird Powerplay bei Plus/Minus nicht gezählt? A: Powerplay-Tore werden nicht gezählt, weil sie als Teamleistung betrachtet werden, nicht als individuelle Defensivleistung. Ein Spieler in Überzahl hat einen numerischen Vorteil, daher ist sein Defensivbeitrag schwer zu isolieren. Shorthanded-Tore zählen hingegen, da sie außergewöhnliche Defensivleistung widerspiegeln.

F: Kann ein guter Spieler eine negative Plus/Minus-Bilanz haben? A: Ja, absolut. Ein ausgezeichneter Spieler kann eine negative Plus/Minus-Bilanz haben, wenn er in einem schwachen Team spielt. Plus/Minus ist stark teamabhängig und spiegelt nicht nur individuelle Fähigkeit wider.

F: Sollte ich Plus/Minus bei Sportwetten verwenden? A: Plus/Minus kann ein Faktor sein, sollte aber nicht als Hauptindikator verwendet werden. Bessere Metriken sind Corsi, Fenwick und xG. Eine Kombination mehrerer Metriken ist zuverlässiger als Plus/Minus allein.

F: Wie wird Plus/Minus bei einem Spiel berechnet, in dem ein Spieler verletzt wird und ausscheidet? A: Plus/Minus wird nur für die Zeit gezählt, in der der Spieler tatsächlich auf dem Eis ist. Wenn ein Spieler verletzt wird und ausscheidet, zählen Tore und Gegentore nach seinem Ausfall nicht für seine Plus/Minus-Bilanz.

F: Ist Plus/Minus besser für Verteidiger oder Stürmer? A: Plus/Minus wird oft als Defensiv-Indikator interpretiert, aber es ist für beide Positionen relevant. Verteidiger haben tendenziell mehr Kontrolle über ihre Plus/Minus-Bilanz, während Stürmer mehr von der Torquote des Teams abhängen.

F: Wie unterscheidet sich Plus/Minus von Corsi? A: Plus/Minus misst nur Tore, während Corsi alle Schussversuche (Tore, Schüsse aufs Tor, blockierte Schüsse) misst. Corsi ist weniger glückabhängig und zeigt die Spielqualität besser.

F: Kann Plus/Minus über mehrere Saisons verglichen werden? A: Ja, Plus/Minus kann über mehrere Saisons verglichen werden, aber man sollte Kontextfaktoren berücksichtigen, wie z.B. Wechsel zu einem neuen Team, Änderungen in der Teamqualität oder Verletzungen.

F: Warum ist Plus/Minus bei Empty-Net-Toren umstritten? A: Die Kontroverse entsteht, weil ein Spieler mit einem Minus bestraft wird, wenn der Gegner in ein leeres Netz trifft – eine Situation, die der Spieler nicht kontrolliert. Dies wird als unfaire Verzerrung der Statistik angesehen.

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